Titelbild P039 Offseason

Was macht ein Segler eigentlich außerhalb der Segelsaison?

Für viele Deutsche beginnt die Segelsaison im April und endet Anfang Oktober. Hartgesottene halten ein paar Wochen länger aus. Irgendwann endet aber für die allermeisten von uns die Segelsaison und wir fragen uns, was wir nun eigentlich mit unserer Freizeit anfangen sollen, wenn doch unser liebstes Hobby zwangsweise pausiert ist. Arbeiten, natürlich. Sich um die Familie kümmern, auch ganz klar. Doch liegt unsere Segelleidenschaft dann tatsächlich für Monate im Winterschlaf?

Nein, das kann und muss nicht sein. Auch in der kalten Jahreszeit hat ein Segler mehr als genug zu tun, um sich mit seinem Hobby zu beschäftigen. Was genau das ist oder sein kann, darüber will ich in diesem Beitrag schreiben. Eine Vorwarnung: Ich werde immer wieder von er, ihm und dem Segler sprechen. Damit möchte ich keinesfalls die große Gruppe der Seglerinnen ausnehmen. Ich denke aber, dass es den Lesefluss verbessert, wenn ich mich ausschließlich an eine Geschlechterform halte. Also, liebe Bezwingerinnen der Meere, ihr seid auch gemeint, mit jedem Wort.

Aber was macht denn nun ein Segler in der Off-Season?

Er räumt auf.

Der letzte Segeltörn der Saison ist gesegelt. Das letzte Anlegemanöver perfekt und ohne Hafenkino abgeliefert. Jetzt noch die Sachen ins Auto werfen und ab nach Hause, oder? Es ist ja auch schon kalt. Nicht so schnell! Uns wurde schließlich schon als Kind beigebracht, dass man das Kinderzimmer aufräumt, nachdem man darin gespielt hat. Nach einem guten Essen werden die Teller abgeräumt und abgewaschen (oder zumindest in die Spülmaschine gestellt). So ist es auch beim Segelboot. Wenn der Spaß vorbei ist, wird aufgeräumt.

Die Segler, die ihr Boot chartern, sind hier etwas feiner raus. Sie müssen sich nicht um das Winterlager kümmern. Aber auch beim Chartern ist es üblich, am letzten Tag die Sachen einzupacken, alles ordentlich zu verstauen und den Schmutz zu beseitigen, den man während der Reise gemacht hat.

Bei Bootsbesitzern kommt da noch einiges mehr dazu. Nachdem alles Unwichtige ausgeräumt ist, geht es daran, das Boot winterfest zu machen. Es wird geputzt, Dichtungen werden geschmiert und die Wassertanks werden geleert. Dann rauf an Deck, wo die Segel heruntergenommen und gut verstaut werden. Das laufende Gut wird abgebaut und wandert unter Deck oder in die Backskisten. Equipment wird verstaut und auseinandergenommen. Immer mehr sieht das Boot wie ein Gerippe aus. Die Wohnlichkeit und Vertrautheit geht und weicht der Nüchternheit des Winters, auf Deck und unter Deck.

Segelboot Keep Swimming mit gelegtem Mast
Keep Swimming mit gelegtem Mast

Nun heißt es, das Boot ins Winterlager zu bringen. Bei meinem eigenen Boot wird dafür der Baum abgenommen und der Mast gelegt. Anschließend werfe ich den Außenborder für seine letzte Reise der Saison an, vom Liegeplatz zur Slipanlage. Andere, größere Segelboote werden an den Kran genommen und aus dem Wasser geholt. Dann geht es in die Halle oder auf den Abstellplatz, ins Winterlager, wo das Boot sehnsüchtig auf die nächste Saison wartet.

Das klingt jetzt trauriger, als es tatsächlich ist. Wenn das Boot einmal sicher im Winterlager liegt, weiß man, was man geschafft hat. Dann öffnet man sich ein letztes „Anlegerbier“ und wirf einen Blick zurück auf die tolle Segelsaison, die hinter einem liegt. Eines steht fest, langweilig muss dem Segler auch in den nächsten Wochen und Monaten nicht sein.

Keep Swimming auf dem Trailer

Er träumt.

Der Spruch „Vorfreude ist die schönste Freude“ gilt nicht nur zu Weihnachten, er gilt auch für die nächst Segelsaison. Ich liebe es, mir auszumalen, was meine nächsten Abenteuer sein werden. Wohin wollte ich schon immer mal segeln? Welche Häfen möchte ich unbedingt mal wieder besuchen? Was möchte ich an meinem Segelboot verändern? Was wird die nächste Saison bringen? All diese Fragen bringen mich in Schwärmen und Träumen. Im Traum in See zu stechen, bereit für den nächsten spannenden Törn, ist in den Wintermonaten fast genauso schön, wie tatsächlich auf dem Wasser zu sein.

Jeder, der bei kaltem Wetter etwas braucht, was seine Phantasie anregt und auf das liebste Hobby bringt, muss nur den Browser auf dem Computer, Tablet oder Smartphone öffnen. Blogs halten eine riesige Menge an Törnberichten bereit. Vom Anfänger bis zum Profi teilen im Internet alle ihre Reisen und ihre Erfahrungen. Es werden so gut wie alle Segelreviere abgedeckt. Es sollte also für jeden etwas dabei sein. Ich selbst habe auf diesem Blog über meine Segeltörns auf der Ostsee in 2023 (Link zum Beitrag) und 2024 (Link zum Beitrag) und auch über die kleinen Touren auf dem Brombachsee (Link zum Beitrag) berichtet. 

Wer das Bewegtbild lieber mag, wird auf Youtube fündig. Stunden an Videos warten nur darauf, geschaut zu werden. Vom Anfänger bis zum Profi, von der Arktis bis zur Karibik und von der Ozeanüberquerung bis zum Refit, hier ist alles zu finden. Meine liebsten Segelkanäle sind „Mike Peuker“, „Ruddy duck Sailing Adventures“, „Sailing Morning Vicar“ und mein absoluter Favorit „Sam Holmes Sailing“. All diese Kanäle sind weiter unten in den Links zu finden. Bei Interesse werde ich diese in einem späteren Blogbeitrag noch etwas genauer vorstellen.

Apropos Bewegtbild, da gibt es ja noch die Filme. Auch diese können eine tolle Möglichkeit sein, die Leidenschaft für das Segeln lodern zu lassen. Zugegeben, es gibt verhältnismäßig wenige Filme über das Segeln selbst. Jedenfalls kenne ich nicht viele. „All is lost“ mit Robert Redford fällt mir ein. „Master and Commander“ nach den tollen Büchern von Patrick O’Brian kann ich empfehlen. Dann natürlich der Film „True Spirit“, der auf der wahren Geschichte von Jessica Watson basiert, die 2009 als 16-jährige aufbrach, um die Welt alleine auf einem Segelboot zu umrunden. Auch über Laura Dekker gibt es einen Film, der aber eher eine Dokumentation ist. Er heißt „Maidentrip“ und beschreibt die Reise der damals 14-Jährigen. Daneben sind in diversen Streamingdiensten und Mediatheken ebenfalls Dokumentationen und Berichte über das Segeln zu finden. Es gibt also genügend Futter für den ein oder anderen Filmabend. Da man davon aber nie genug haben kann, schreibe mir gerne deine liebsten Segelfilme unten in die Kommentare.

Und dann ist da noch das geschriebene Wort, das Buch, mit dem es sich der Segler in seinem Lieblingssessel gemütlich macht, wenn draußen ein Schneesturm tobt. Während modern Romane über das Segeln eher selten sind (warum eigentlich?), gibt es über historische Segelschiffe so einige Geschichten zu entdecken. Der oben schon erwähnte Patrick O’Brian hat der Welt mit seiner Romanreihe um den Marineoffizier Jack Aubrey und den Schiffsarzt Stephen Maturin einen epischen Schatz von 20 Bänden hinterlassen.

Buch "Wer Meer hat, braucht weniger"

Noch spannender finde ich aber Bücher über reale Segelabenteuer. Auch davon gibt es genügend für alle Winter dieser Welt. Ob man nun mit Boris Herrmann das Ocean Race oder die Vendée Globe fahren oder lieber mit Thor Heyerdahl und seiner Kon-Tiki auf dem Pazifik treiben möchte. Bücher von Seglern für Segler findet man zuhauf. Einen Autor will ich dabei besonders hervorheben. Marc Bielefeld beschreibt in seinem Büchern die Leidenschaft zum Segeln mit Worten, die eher an Kunst erinnern als an Sätze, Abschnitte und Kapitel. Wer mehr von ihm erfahren möchte, kann sich gerne meine Rezension zu seinem Buch „Wer Meer hat, braucht weniger“ (Link zum Beitrag) durchlesen oder unten in den Links die Webseite des Autors finden.

Er lernt.

Außerhalb der Segelsaison hat man nicht nur Zeit, vom Segeln zu träumen. Man kann sich auch ganz konkret darauf vorbereiten, indem man Seminare oder Bootsmessen besucht. Nicht umsonst findet die boot in Düsseldorf im Januar statt, die Interboot Friedrichshafen Ende September und die Boot & Fun in Berlin im November. So kann der Segler auch außerhalb der Saison seine besten Crewmitglieder einpacken und sich von den neuesten Errungenschaften auf dem Gebiet der Boote begeistern lassen.

Titelbild Sportbootführerscheine

Die dunkle Jahreszeit ist auch der richtige Zeitpunkt, um ein paar Kurse zu belegen, die man schon mal machen wollte. Ein Webinar zur Medizin an Bord oder ein Auffrischungskurs in Erster Hilfe können nie schaden. Oder wie wäre es mit einem Onlinekurs zum FKN/Pyroschein? Da hätte ich auch gleich den passenden Beitrag anzubieten (Link zum Beitrag). Vielleicht wagt man sich sogar an die Funkscheine ran, ob nun SRC oder UBI. Genügend Zeit zum Lernen für die Prüfung müsste man haben. In den Links ist der Onlinekurs-Anbieter meines Vertrauen zu finden – SegelnAG.

Dann sind da noch die Bootsprojekte. Jedes Segelboot bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten zu reparieren, zu erweitern und zu verbessern. Egal ob neue Polster, kaputte Fensterdichtungen oder gar der Einbau einer Seewassertoilette. An Bauprojekten mangelt es vor allem bei älteren Booten nicht. Hier sollte man sich allerdings ordentlich vorbereiten. Da heißt es Fachartikel lesen, Preise vergleichen und Refit-Videos auf Youtube studieren. Eines kann ich versprechen. Die Zeit, um das Gelernte einzusetzen, wird kommen. Spätestens im April.

Er plant und bereitet vor.

Eine gute Möglichkeit, sich in der Zeit abseits des Segelbootes abzulenken ist, sich einfach in die Planung für die nächste Saison zu stürzen. Ein guter und erfolgreicher Segeltörn will auch ordentlich geplant sein. Das weiß jeder. Und es ist, zumindest in meinen Augen nie zu früh, um mit der Planung zu beginnen. Zuerst wird grob ausgelotet, wohin es gehen soll. Will man ein altes Revier mal wieder besuchen oder neue Häfen entdecken? Wird es die Ostsee, Nordsee oder das Mittelmeer? Oder wird das nächste Jahr vielleicht sogar das Jahr des Ozeansegelns?

Übungskarte und Navigationsbesteck

Wenn man sich erst einmal darüber im Klaren ist, wo es hingeht, heißt es, die Planung zu verfeinern. Wie viel Zeit muss man einplanen? Wo bekommt man die Seekarten her? Wie bringt man das Boot zum Start-Hafen? Welcher Vercharterer ist vor Ort der Beste? All diese Fragen wollen beantwortet werden. Man muss Besonderheiten des Reviers in Erfahrung bringen. Sich mit den Gegebenheiten Vorort auseinanderzusetzen kann auch nicht schaden. Welche Häfen kann man anlaufen? Wo ist das Ankern erlaubt und worauf hat man dabei zu achten?

Besitzer eines eigenen Bootes müssen sich darüber hinaus auch noch darum zu kümmern, das Boot startklar zu machen. Der Frühling eignet sich bestens für die größeren Bootsprojekte in der trockenen Halle. Hier schwankt nichts und es gibt ausreichend Strom. Der nächste Baumarkt ist bestimmt auch gleich um die Ecke. Alles muss bereit gemacht werden, um in die neue Segelsaison zu starten.

Er segelt.

Was macht der Segler außerhalb der Segelsaison – er segelt? Ja, das tut er – oder das kann er zumindest tun. Wenn es in Deutschland kalt und grau ist, kann es in anderen Regionen der Welt mild und schön sein. Warum nicht dort segeln. Selbst das Mittelmeer bietet im Winter noch angenehme Temperaturen zum Segeln, wenn man nicht zu zimperlich ist.

Das Segeln außerhalb der Saison hat eine ganze Hand voll Vorteile. Da wären zum einen die Charterpreise. Während sich diese im Sommer gut und gerne auf ein Vermögen belaufen, kann man außerhalb der Saison ordentlich sparen. Bis zu fünfzig Prozent Nachlass sind in Ausnahmefällen drin. Noch dazu haben viele Häfen angepasste Preise für ihre Liegeplätze. In Dänemark gibt es kleine Häfen, die ab Oktober gar nichts mehr kosten. Das Beste aber ist, dass man in den Häfen sogar einen Platz findet und nicht als Dritter im Päckchen liegen muss. Man brauch sich auch nicht mit den Touristen herumschlagen, die die Promenade verstopfen, auf dem Steg im Weg stehen und in die Kajüte gaffen.

Man muss also nicht aufhören, zu segeln, wenn die Segelsaison vorbei ist. Irgendwo ist immer Saison und die See wartet auf mutige Abenteurer und Seebären. Wenn man die Zeit hat und ja, auch das Geld, dann kann man einfach weiter segeln, das ganze Jahr über.

Viel zu tun und keine Langeweile

Ich glaube, dieser Beitrag zeigt ganz gut, dass es dem begeisterten Segler auch außerhalb der Segelsaison nicht langweilig werden muss. Ob er nun den nächsten Törn plant, Bootsprojekte umsetzt, sich weiterbildet oder mit Hilfe eines guten Buches die sieben Weltmeere bereist, es gibt immer etwas zu tun. Und sollte dir doch einmal die Leidenschaft für das Segeln abhandenkommen, dann schau doch einfach in diesen Blog. Vielleicht kann dich der eine oder andere Beitrag inspirieren.

Ahoi und bis bald.

Links:

Youtube:
Mike Peuker auf Youtube (https://www.youtube.com/@mikepeuker)
Ruddy Duck Sailing Adventures auf Youtube (https://www.youtube.com/@ruddyducksailing)
Sailing Morning Vicar auf Youtube (https://www.youtube.com/@Morningvicar)
Sam Holmes Sailing auf Youtube (https://www.youtube.com/@samholmessailing)

Filme:
All is lost IMDb (https://www.imdb.com/de/title/tt2017038/)
Master and Commander IMDb (https://www.imdb.com/de/title/tt0311113)
True Spirit IMDb (https://www.imdb.com/de/title/tt2353868)

Bücher:
Patrick O’Brian auf Wikipedia (https://w.wiki/KV7i)
Marc Bielefeld (https://www.marcbielefeld.de/)

Sonstiges:
SegelnAG (Erweitern Sie Ihren Horizont mit SegelnAG!)1


  1. SegelnAG bietet ein Partnerprogramm für uns Blogger an. Wenn du auf den Link klickst und bei SegelnAG einen Kurs bestellt, erhalte ich eine kleine „Provision“. Dies ist für dich vollkommen kostenlos und erhöht den Kurspreis nicht. Es unterstützt allerdings meinen Blog ↩︎

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